Talkrunde zum Thema „Fit für die Zukunft?! Erfolgsmodell Duale Ausbildung“

HOLZGERLINGEN. Gute Azubis sind bekanntermaßen Mangelware. Aber warum ist das so? Unter dem Motto „Fit für die Zukunft?! Erfolgsmodell Duale Ausbildung“ diskutierten Kultusministerin Susanne Eisenmann, die Böblinger IHK-Chefin Marion Oker, Wolfgang Gastel, Kreishandwerksmeister, Jörg Veit, Personalchef bei Elektro Breitling, sowie seine Lehrlinge Tim Knobloch und Linus Schwenker über eben diese Frage. Und fanden dabei unter der Moderation von KRZ-Chefredakteur Jan-Philipp Schlecht so manchen Knackpunkt.

Vernetzung und Kooperation:„Akademische und handwerkliche Berufe werden nicht gleichwertig angesehen“, waren sich alle Beteiligten einig. Abhilfe schaffen könne da vor allem eine starke Vernetzung zwischen Schulen und Betrieben, erklärte Marion Oker und Wolfgang Gastel fügte hinzu: „Es gibt 120 verschiedene Ausbildungen im Kreis Böblingen, die meisten davon sind den Leuten aber unbekannt.“ An dieser Stelle müsse zudem der Rahmen geschaffen werden, dass auch kleine Betriebe diesen Mehraufwand bei der Bewerbersuche auf sich nehmen können, so Eisenmann. Besonders wichtig sei es auch, die Eltern anzusprechen und zu informieren. Beispielsweise darüber, dass „eine Ausbildung nicht mit der Ausbildung endet“, so Oker. So schaffen beispielsweise Weiterbildungen die Perspektive auf Führungspositionen. Gleichzeitig gelte es aber auch, so Eisenmann, die Ausbildungsberufe gegenüber akademischen Berufen nicht weiter abzuwerten, wie beispielsweise durch den Austausch der Begrifflichkeiten „Geselle“ und „Meister“ durch „Bachelor“ und „Master“ – auch wenn das eine internationale Vergleichbarkeit schaffe (Marion Oker). Auch bei den Breitling-Azubis kommt diese Neuerung nicht gut an: „Es ist ein Unterschied, ob man theoretisch oder praktisch lernt. Eine gleiche Bezeichnung ist da wenig sinnvoll“, meinte Linus Schwenker. Eine Aufwertung des Handwerks, so Eisenmann, sollte auch dadurch erreicht werden, dass Meister-Schulungen eine gleiche finanzielle Unterstützung durch den Staat erhalten wie ein Studium. „So eine faire Grundlage haben wir aber noch nicht.“

Migration und Lerninhalte:Auch wenn viele Betriebe Menschen mit Migrationshintergrund in Ausbildung bringen möchten, hapert es häufig an Sprachbarrieren. „Bei uns müssen sie die deutsche Grammatik nicht perfekt beherrschen. Aber sie müssen das Fachvokabular kennen und insbesondere Hinweise zur Arbeitssicherheit verstehen“, betonte Veit. Bislang müssten Unternehmen solche Sprachförderungen aus eigener Tasche berappen. Für staatliche Programme fehle oftmals das Personal – ebenso für die Förderung von handwerklich begabten Jugendlichen in den Schulen, fügte Gastel hinzu. „Viele Berufsschulen müssen schließen, weil sie die Mindestanzahl an Schülern unterschreiten. Dadurch sterben einige Berufe aus.“ Gleichzeitig sei der Lehrplan häufig bereits überholt. Veit und seine Lehrlinge warben daher um einen durchlässiger formulierten Lehrplan, damit Lehrer neue Entwicklungen einfließen lassen können.

Text: Kreiszeitung Böblinger Bote/Sandra Schumacher
Bild: David Luber/EB-GRUPPE